1863-1876

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Die Freiwillige Turnerfeuerwehr von 1863 bis 1876


1Im Jahre 1861 erhielt Alsfeld die fünfte Spritze. Die Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft hatte der Stadt eine vierrädrige Druckspritze als Geschenk angeboten, das der Gemeinderat am 12. Juni anzunehmen beschloß. Am 24. September wurde die Spritze per Eisenbahn nach Neustadt, dem damals Alsfeld nächstgelegenen Bahnhof, verschickt, von wo sie auf Kosten der Stadtkasse abgeholt werden konnte. Am 2. März 1863 stellte Bürgermeister Ramspeck diese Feuerspritze dem Turnverein zur Verfügung. Der Turnverein Alsfeld bildete mit Genehmigung der städtischen Behörde eine selbständige Feuerlöschmannschaft, die den Namen „Freiwillige Turnerfeuerwehr Alsfeld" führte. Die Anschaffung von Ausrüstungsstücken und die innere Organisation waren Sache des Turnvereins. Die Turnerfeuerwehr bestand aus vier Abteilungen:

 1. Spritzenmannschaft,
 2. Wassermannschaft,
 3. Steiger- und Rettungsmannschaft,
 4. Wachmannschaft.

Als Hauptmann führte Georg Dietr. Hoos die Wehr von 1863 bis 1876. Die Steiger- und Rettungsmannschaft war mit Anstellleitern, den sogenannten Turnerleitern, ausgerüstet. Die Uniformierung bestand aus der weißen Turnerjacke mit Gürtel und einem schwarzlackierten Zinkhelm, der mit einem mit T. V. gezeichneten Messingwappen versehen war.

Damit bestanden jetzt in Alsfeld drei Feuerlöschanstalten: die aus bezahlten Spritzenmeistern und den verpflichteten jüngsten Bürgern bestehende Bürger- oder Pflichtfeuerwehr, die mit der Landspritze auch den auswärtigen Dienst versah, das Freiwillige Feuerwehr-Korps und nun noch die Freiwillige Turnerfeuerwehr. Bei Bränden und Übungen muss es dabei zu allerlei Unzuträglichkeiten gekommen sein. Aus diesem Grunde schlossen sich die beiden freiwilligen Wehren unter einem gemeinsamen Kommando zusammen und bildeten am 14. Januar 1876 das „Freiwillige Feuerwehr-Korps der Kreisstadt Alsfeld". Die Pflichtfeuerwehr blieb in der alten Form weiterhin bestehen.

Gründung 1854

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Die Gründung des Freiwilligen Feuerwehr-Korps in Alsfeld 1853/54

Im Mittelalter waren die Zünfte gemäß der vom Rat der Stadt Alsfeld im Jahre 1595 erlassenen „Ordenung in Feuerschnoden" für die Brandbekämpfung mit unzureichenden Gerätschaften zuständig. Danach bestand von 1765 bis 1854 eine Bürgerfeuerwehr, die sich aus verpflichteten Bewohnern der Stadt rekrutierte. Sie bedienten eine Stadt und eine Landspritze aus dem Jahre 1765. Zu diesen war 1841 noch eine Tragspritze hinzugekommen. Die Bürgerfeuerwehr, die nach der Feuerordnung des Landesherrn Landgraf Ludwig VIII. von Hessen Darmstadt von 1767 tätig war, 1wies hier und anderen Ortes viele Mängel auf. Dies wurde bei dem großen Brand im Mai 1842 in Hamburg besonders deutlich. Innerhalb von 3 Tagen wurden über 4000 Häuser eingeäschert. Man kam zu anderen Erkenntnissen und eine neue Idee wurde wachgerufen. Letzteres führte zur Gründung von Freiwilligen Feuerwehren und in den Großstädten zur Aufstellung von Berufsfeuerwehren. Diese Bewegung erhielt durch die damals herrschenden politischen Verhältnisse Auftrieb, da sich die Menschen vom Absolutismus abwanden und zu einem freiheitlichen demokratischen Denken hinstrebten. Vor allen Dingen waren es die Turnvereine, die den gemeinnützigen Gedanken der Brandbekämpfung auf freier und freiwilliger Basis in die Tat umsetzten. Aus der weißen Turnerjacke war der Dienstrock der Feuerwehr hervorgegangen, da Uniformen zu dieser Zeit nicht sehr beliebt waren. Dies war die allgemeine Lage als Anfang Dezember 1853 der in Feuerwehrkreisen wohlbekannte Spritzenfabrikant und als Gründer der deutschen Freiwilligen Feuerwehren angesehene Carl Metz aus Heidelberg wegen des Verkaufes einer neuen Abprotz-Saugspritze nach Alsfeld kam. Diese Notwendigkeit war nach einem Brand am 16. Juli 1853 in Alsfeld erkannt worden, „denn das Löschmaterial war reichlich defekt und bei dem üblen baulichen Zustand der hiesigen Stadt nicht ausreichend". Carl Metz und Bürgermeister Ramspeck regten nach Eintreffen des Ersteren die Gründung eines freiwilligen Feuerwehrkorps in unserer Stadt an. Die von Fabrikant Metz mitgeführte Spritze nebst einem Beiwagen und verschiedenen Rettungsgerätschaften wurden am 8. Dez. 1853 ausprobiert. Zu diesem Zweck hatte er zuvor mehrere Alsfelder Bürger, die sich freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, mit der Bedienung vertraut gemacht. Es waren folgende Herren:

Lorenz Rößner I.
Adolf Freundlieb
Conrad Bornmann
Fritz Hahauer
Ernst Krause
Konrad Waldeck
Georg Klingelhöffer
Hartmann Altendorf
Georg Kurtz I.
Heinrich Döring II.
Louis Weyland
Heinrich Haber

Nachdem die Spritzenprobe zufriedenstellend verlaufen war, wurden die genannten Herren von Carl Metz im Gasthaus zum Schwanen bewirtet und von Seiten der Stadt am 12.12.1853 der Kaufvertrag für die Spritze abgeschlossen. Der Kaufpreis betrug 1200 Gulden. Danach lud Carl Metz die Bürgerschaft von Alsfeld durch das Allgemeine Intelligenzblatt zu einer Versammlung in den Bürgersaal des Weinhauses am 15.12.1853 ein, „da die Organisation des neueren Löschwesens dem älteren gegenüber einer Regelung bedarf, die nur durch die allgemeine Teilnahme erzielt wird". In dieser Versammlung sprach Carl Metz über seine gemachten Erfahrungen und unterbreitete seine Vorschläge. Die Metzsche Idee faßte Wurzel, nachdem auch der „löbliche Stadtvorstand" sich für die Gründung eines freiwilligen Feuerwehrkorps eingesetzt hatte. Es wurde schnell „ein provisorisches Comite" gewählt, das die Statuten ausarbeiten sollte. Schon am 9. Januar wurden sie der Generalversammlung vorgelegt und auch angenommen.

Die Statuten beginnen:

 Es hat sich im Januar 1854 unter dem Namen Alsfelder Feuerwehr ein Verein von Freiwilligen gebildet, welcher bei Feuersgefahren die Rettung des bedrohten Lebens und Eigentums zur Aufgabe sich stellt." Am 12. Januar 1854 wählte man das „provisorische Verwaltungs-und Direktionspersonal":
 
 Hauptmann H. Hoelscher
 Vizehauptmann Gg. M. Bellinger
 1. Adjutant Werner Ramspeck jun
 2. Adjutant I. C. Th. Bücking
 
 Verwaltungsrat:
Hermann Bücking
C. G. Bücking
 Chr. Bellinger
 Jakob Kober
 August C.Waldeck

Der unter dem Verwaltungsrat genannte Jakob Kober war das erste freiwillige Feuerwehrmitglied dieser Familie, die uns in vier nachfolgenden Generationen bis zur Gegenwart immer wieder aktive Mitglieder gestellt hat. Am 3. September 1855 wird berichtet, dass sich das Freiwillige Feuerwehr-Korps von 67 Mitgliedern zur Bedienung der neuen Stadtspritze nunmehr endgültig konstituiert habe. Zum 1. Hauptmann wurden der Dachdeckermeister Lorenz Rößner und zu seinem Stellvertreter der Weißbindermeister Fritz Hanauer gewählt. Die Uniformierung des Korps bestand aus einer von jedem Mitglied selbst anzuschaffenden weißen Jacke und aus einem von der Stadt gestellten schwarzen Zinkhelm mit einem mit A gezeichneten Messingwappen sowie schwarz-rot gestreiftem Gürtel; die Steigermannschaft besaß ferner Rettungsseil und Beil. Die Hauptleute trugen Messinghelme mit rotem Busch, die Adjutanten mit weißem Busch und die Obleute eine Helmraupe aus Messing und ein drei Zoll breites Armband von weißer Farbe mit roter Einfassung am Rande. Das Freiwillige Feuerwehr-Korps bestand aus einer Steigerabteilung mit Hakenleitern, Rettungssack usw., die die Nummer 1 trug, der Saugspritzenabteilung mit der Nummer 2 und der Wachmannschaft mit der Nummer 3. Die Geräte des Korps waren im Spritzenhaus am Spital untergestellt (dieses Spritzenhaus wurde im Jahre 1911 abgebrochen). Die Bürger- oder Pflichtfeuerwehr bestand neben dem Freiwilligen Feuerwehr-Korps in ihrer alten Form weiter. Während die Freiwillige Feuerwehr bei Bränden nur immer ihr Bestes gab, klappte der Einsatz der Pflichtfeuerwehr, besonders bei der Landspritze, nicht immer so, wie es sein sollte. Das Freiwillige Feuerwehr- Korps, welches im Jahre 1859 bereits 90 Mann stark war, bediente die Saugspritze und die Rettungsgerätschaften.

 

Chronik

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In unserer Chronik erfahren Sie alles über die Entwicklung unserer Wehr von den Anfängen als 
Freiwilliges Feuerwehr-Korps, bis hin zur modernen Stützpunkt- und Autobahnfeuerwehr.
Die Chronik beginnt bei der Gründung im Jahre 1854 und endet vorerst bei der Feier zum 150 jährigen Bestehen 2004. 


Mit ihrer fast 160 jährigen Geschichte ist die freiwillige Feuerwehr Alsfeld - Mitte eine der ältesten Feuerwehren Hessens.


Wir wünschen Ihnen einen spannenden Ausflug in die Geschichte unserer Stadt und unsere
r Feuerwehr.

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