Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Alsfeld von 1894 bis 1914
Im Jahre 1890 wurde ein neues Gesetz über die Landesfeuerlöschordnung erlassen. Hiernach waren nur drei Arten von Feuerwehren zulässig:

1. die Freiwillige Feuerwehr, der eine Hilfsmannschaft beigegeben werden konnte 2. die Berufsfeuerwehr und 3. die Pflichtfeuerwehr. Hier in Alsfeld wurde die Form der Freiwilligen Feuerwehr mit beigegebener Hilfsmannschaft gewählt. In der Generalversammlung am 30. Sept. 1894 erfolgte die Neukonstituierung. Zum 1. Hauptmann wurde der seitherige Stelleninhaber Gg. Kurtz jr. und zum 2. Hauptmann Lorenz Rößner II. gewählt. Die Wehr erhielt nach der Neuorganisation den Namen „Freiwillige Feuerwehr der Stadt Alsfeld" und übernahm sämtliche vorhandenen Löschgeräte. Nach der endgültigen Aufstellung gliederte sie sich in 3 Abteilungen und diese wiederum in Züge:

Abt. Nr. 1. Steigermannschaft (Züge 1, 2, 3); 
 Abt. Nr. 2, Spritzenmannschaft (Züge 4, 5, 6, 7, 8);
 Abt. Nr. 3, Ordnungsmannschaft (Zug 9).

An Geräten bediente die Wehr nunmehr: eine Schiebeleiter, ein Requisitenwagen mit Hakenleitern, Rettungsschlauch und Sprungtuch, 2 Anstelleitern, die neue Landspritze, die Abprotz-, Saug- und Druckspritze mit Wasserwagen, die Turnerspritze, die alte Stadtspritze und die kleine Tragspritze. Die Uniformierung blieb im wesentlichen dieselbe einschl. der Dienstrangabzeichen. An Stelle der Zinkhelme traten Lederhelme mit darauf befindlichem Stadtwappen. Die Messinghelme mit den Helmbüschen für die Hauptleute und die Adjutanten wurden zunächst beibehalten und erst in späteren Jahren durch Lederhelme mit Messingkamm, Stadtwappen und Schuppenkette ersetzt. 1Im Jahre 1896 erhielt der Zug 4 für den auswärtigen Dienst zwecks rascher Beförderung nach den umliegenden Dörfern einen neuen Mannschaftstransportwagen. Derselbe wurde von einheimischen Handwerkern hergestellt. Die Kosten beliefen sich auf 425 Mark und wurden vorwiegend von der Wehrkasse getragen. Durch den Bau der Wasserleitung im Jahre 1896 und die damit verbundene Anlage von Hydranten wurde 1897 eine neue Abteilung (Nr.4) mit vorläufig einem Hydrantenwagen gebildet. Die Mannschaften der alten Stadtspritze und der kleinen Tragspritze wurden dieser Abteilung zugewiesen. Die beiden genannten Spritzen stellte man in Reserve. Ein zweiter Hydrantenwagen wurde 1899 erbaut. Die Hydrantenabteilung gliederte sich in die Züge 8 und 9. Die Anzahl der eingebauten Hydranten erfahren wir aus einem Verzeichnis aus dem Jahre 1900. Es wurde hierin die Lage von 50 Hydranten angeführt. Die alte Stadtspritze kam ins Museum, die kleine Tragspritze wurde zum Schutz des Hellhofes verwendet und dort aufbewahrt. Im Jahre 1899 bildete man den Zug 10 mit den Radfahrfeuermeldern für den Feuermeldedienst nach den umliegenden Dörfern. Die Alarmierung erfolgte von Seiten der Freiwilligen Feuerwehr durch die Signalisten mit Horn und Trommel. Der Zug 4 mit der neuen Landspritze und dem Mannschaftstransportwagen nebst dem Pferdevorspanndienst wurden zum auswärtigen Dienst nur durch die Trommel alarmiert. In der damaligen Zeit betrug die Einsatzhäufigkeit in der Stadt etwa 1 - 3 Brände pro Jahr. Hinzu kamen noch die auswärtigen Löschhilfen. Im Jahre 1901 wurde das alte Brauhaus in der Obergasse (heute Schwälmer Brunnen), das schon länger als Gerätehaus gedient hatte, umgebaut. Danach war es möglich, fast alle Geräte dort unterzustellen. Zur Schlauchtrocknung war ein Dachreiter aufgesetzt worden. Unter reger Anteilnahme der gesamten Bevölkerung der Stadt sowie vieler auswärtiger Wehren, wurde das 50- jährige Stiftungsfest am 19. Juni 1904 auf dem Viehmarkt (später Lindenplatz) begangen.